Aufbau, Abriss, Aufbau, Abriss, Aufbau
Vor 150 Jahren befand sich das rund 7 ha große Areal des ehemaligen Plattenwerkes in Dresden Johannstadt noch vor den Toren der Stadt, bestimmt durch Wald und Feld.
Im Zuge der Industrialisierung wurde im späten 19.Jahrhundert das Stadtgebiet erweitert und vor allem mit gründerzeitlichen Wohnblocks bebaut. Auf dem Standort der Betonzeitschiene wurde das Carola- Krankenhaus errichtet, das spätere 1. Kinderkrankenhaus Dresdens, welches im 2.Weltkrieg zu einer SA-Offiziersschule umfunktioniert wurde.
1945 wurde fast der gesamte Stadtteil zerstört und ab Mitte der 50`ger Jahre der Wiederaufbau der Stadt von dieser Stelle aus maßgeblich mit vorangetrieben. Man errichtete aus Trümmern und Schutt das Plattenwerk und presste aus Trümmer-Ziegelsplitt Platten und Großblockbauelemente, mit denen die Johannstadt und Dresden wieder aufgebaut wurde.
Über 35 Jahre lang prägte die "Platte" die Wohnungsbauweise in der Stadt Dresden und macht bis heute einen wesentlichen Teil des Stadtbildes aus. Im Betonwerk Gerokstraße wurde das gesamte Elementesortiment für den Dresdner Wohnungsbau in Großblock- und Plattenbauweise aufbereitet und gefertigt. Später spezialisierte man sich vor allem auf Außenwandplatten. Bis 1990 arbeitet das einzige stationäre Plattenwerk in Dresden. Danach wurde es wie viele sozialistische Planbetriebe nach der Wiedervereinigung durch die Treuhand abgewickelt und verfiel ab 1991 zu einer Industriebrache inmitten der Stadt.
Im Jahr 2001 wurde auf Bestreben einer Bürgerinitiative das ehemalige Plattenwerk abgerissen. Mit Hilfe einer anderen Interessengemeinschaft, die sich für den Erhalt der Industrieruine eingesetzt hat, konnten jedoch rund 50 Tonnen interessante Fragmente und industriearchäologisch interessante Fundstücke (Sandsteine, Ziegelsplitt, Stahlrahmen, Plattenreste, Fließen, Formsteine, Nasszellen, Produktionselemente usw.…) beiseite geschafft und „gerettet“ werden.
Entstehung des micromuseum® Betonzeitschiene
Der Architekt und Künstler Ruairí O’Brien entwickelte daraus das Konzept eines micromuseums® für Plattenbau. Seine Idee bündelte das öffentliche Interesse, einen Teil der abgerissenen Betonfabrik zu bewahren und 2002-2004 wurde mit Unterstützung der Stadt Dresden und vielen Helfern die Betonzeitschiene errichtet, ein Environment-Art-Projekt, das sich der Geschichte des Stadtteiles und des industriellen Plattenbaus widmet sowie Grundfragen des menschlichen Zusammenlebens anspricht.
In den Jahren von 2004 bis 2008 war die Betonzeitschiene I. auf einem 15 mal 100 Meter breiten Randstreifen des ehemaligen Plattenwerkes entlang der neu gestalteten Arnoldstraße, Ecke Gerokstraße zu erleben.
Zur Zeit befindet sich der größte Teil der industriearchäologischen Fund- und Ausstellungsstücke auf einer Zwischenlagerstelle auf einem angrenzenden Grundstück des früheren Werksgeländes. Es ist geplant, die Betonzeitschiene in die zukünftige Gestaltung der Stephanienstraße, die sich auch auf dem ehemaligen Werksgelände befindet, zu integrieren und damit wieder frei zugänglich zu machen.